Wenn man an Helden denkt, springt einem, ganz archetypisch, erstmal ein Klischee ins geistige Auge: Muskeln, die unter dem Cape spannen, ein Schwert in der Hand, einsamer Wolf kämpft gegen das Böse. Und dann gibt’s da noch die Hollywood-Helden – die in mit dem Massengeschmack perfekt abgestimmten Outfits, den dramatischen Slow-Motion-Läufen und der unerschütterlichen Gewissheit, dass sie natürlich gewinnen werden. Aber mal ehrlich: Wer von uns hat schon mal einen echten Helden getroffen, der aussieht wie aus einem Marvel-Film?
Die wahren Helden unserer Zeit tragen selten Capes. Sie sehen aus wie du und ich – oder wie Malala Yousafzai, die mit 15 den Taliban die Stirn bot und für Mädchenbildung kämpft. Oder wie Greta Thunberg, die mit einem selbstgemalten Schild vor dem schwedischen Parlament saß und eine globale Bewegung auslöste. Oder wie Nelson Mandela, der 27 Jahre im Gefängnis verbrachte und trotzdem sagte: „Resentment ist wie Gift – es zerstört nur den, der es trinkt.“ Das sind die Helden, die uns heute inspirieren können: nicht wegen ihrer körperlichen oder mystischen Superkräfte, sondern wegen ihres unbeugsamen Muts, ihrer Prinzipientreue und ihrer Fähigkeit, Gemeinschaft zu stiften.
Patagonia: „Buy Less Demand More.“
Stark zu sein und Dinge besser zu machen.
Und genau hier liegt der Knackpunkt für Marken, die den Hero-Archetyp nutzen wollen: Es geht nicht darum, Konsumierenden zu sagen: „Kauf unser Produkt und werde zum Superhelden!“ – sondern darum, ihnen zu zeigen: „Du bist schon Teil einer Bewegung. Wir geben dir nur die Werkzeuge, um stark zu sein und zu strahlen.“
Denn der Held von heute ist kein einsamer Wolf, sondern ein Netzwerker, ein Community-Builder, ein Mensch, der andere mitnimmt. Der Held von heute sagt nicht „Ich rette die Welt“, sondern „Lass uns die Welt zusammen retten.“
Ben & Jerry’s „Progress Comes In Many Flavors“
Potential – Selbstüberwindung – Kraft
Der Hero-Archetyp ist keine Actionfigur – aber eine Ausnahmeerscheinung. Nach C.G. Jung steht der Held für den unbewussten Drang, Grenzen zu überwinden und die Welt (oder sich selbst) zu verändern. Doch während die klassische Mythologie uns den Helden als einsamen Krieger präsentiert, zeigt die moderne Psychologie: Echte Helden handeln nicht im Alleingang, sondern als Katalysatoren für kollektive Stärke. Carol S. Pearson, die mit Margaret Mark das Konzept der Brand Archetypes prägte, beschreibt den Hero als den Archetyp, der „die Welt durch mutiges Handeln besser macht“ – nicht durch Gewalt, sondern durch Prinzipientreue, Ausdauer und die Fähigkeit, andere zu inspirieren.
Joseph Campbells „Hero’s Journey“ – diese universelle Erzählung vom Ruf zum Abenteuer, den Prüfungen und der Rückkehr als verwandelte Ausnahmeperson – ist dabei nur die Halbzeit. Denn heute geht es nicht mehr darum, allein den Drachen zu besiegen, sondern darum, gemeinsam die Systeme zu ändern, die Drachen erst erschaffen. Der Hero-Archetyp von 2026 fragt nicht: „Wie werde ich zum Helden?“ – sondern: „Wie werden WIR zu Helden?“
Nike: „Just do it!“
Drei Hebel für Hero-Marken:
Der „Dragon“ als Systemfeind
Klassisch: Der Held kämpft gegen ein Monster.
Moderne Wendung: Der „Dragon“ ist soziale Ungerechtigkeit, Klimakrise oder Machtmissbrauch – und die Marke gibt Konsument:innen die Waffen, um dagegen anzutreten.
Beispiel: Patagonia („Wir kämpfen gegen Fast Fashion“) oder TOMS („Mit jedem Schuhkauf hilfst du, Barfußigkeit zu besiegen“).
Rituale statt Features
Hero-Brands erschaffen kollektive Handlungsmuster:
Nike’s „Just Do It“ → „Beginne deine Mission – jetzt.“
Ben & Jerry’s „Free Cone Day“ → „Gemeinsam feiern wir sozialen Wandel.“
Wichtig: Die Rituale müssen echte Partizipation ermöglichen – nicht nur Konsum.
Sprache des Empowerment
Nicht: „Wir sind die Besten!“
Sondern: „Du hast die Macht. Wir stehen an deiner Seite.“
Beispiel: Lush („Fight Animal Testing“) oder Ecosia („Deine Suchanfragen pflanzen Bäume“).
Die größte Gefahr!
Aktivismus-Washing: Wenn die Mission nur Fassade ist, wird aus dem Helden schnell ein Heuchler. Gegenmittel: Transparenz (wie Patagonias radikale Ehrlichkeit über Lieferketten) und konkrete Impact-Daten.
Ecosia: „Need a Helping Hand?“
4. Stärken & Schattenseiten: Wenn aus Helden Heuchler werden (und wie man das verhindert)
Der Hero-Archetyp ist ein zweischneidiges Schwert – er kann Marken zu Ikonen machen, aber auch in die Falle des Aktivismus-Washing oder toxischer Heldenverehrung führen. Hier die drei größten Stärken und die drei gefährlichsten Schattenseiten – mit Lösungen, wie man das vermeiden kann.
Stärken: Warum der Hero-Archetyp wirkt
| Stärke | Beispiel | Warum es funktioniert |
| Emotionale Bindung | Patagonia’s „Don’t Buy This Jacket“ | Kund:innen fühlen sich als Teil einer Bewegung, nicht als Konsument:innen |
| Differenzierung | Ben & Jerry’s Aktivismus | In gesättigten Märkten sticht Haltung heraus – nicht nur das Produkt. |
| Preisbereitschaft | TOMS „One for One“ | Menschen zahlen für Werte, nicht nur für Features. |
Der Hero-Archetyp schafft nicht nur Kunden, sondern Mitstreiter:innen – und das ist in Zeiten von Purpose-Driven Consumption Gold wert.
Schattenseiten: Wo der Hero zur Fassade wird
| Risiko | Beispiel (Negativfall) | Lösung |
| Toxische Männlichkeit | „Held = hart, allein, unfehlbar“ | Diverse Hero-Narrative (z. B. Malala, Greta Thunberg). |
| Aktivismus-Washing | Greenwashing mit Hero-Rhetorik | Konkrete Impact-Daten (wie Patagonias Footprint Chronicles). |
| Überforderung der Zielgruppe | „Du musst die Welt retten!“ | Kleine, machbare Schritte („Mit jedem Kauf…“). |
| Abhängigkeit von der Gründerfigur | „Held = CEO“ (z. B. Tesla vor Musk’s Twitter-Chaos und fragwürdigem Aktivismus) | Kollektive Heldennarrative („Wir sind alle Teil der Mission“). |
| Intransparenz | „Trust us, we’re heroes!“ | Radikale Ehrlichkeit (z. B. Lush’s Kampagnen gegen Tierversuche). |
Die größte Gefahr?
Der Hero-Archetyp verspricht neben Meisterschaft auch Veränderung – und wenn die Marke nicht liefert, wird aus dem Helden schnell ein Heuchler. Die Lösung? Authentizität über alles – und der Mut, auch mal zu sagen: „Wir sind noch nicht da, aber wir kämpfen weiter.“
Toms: „One for One“
5. Zielgruppen: Wer identifiziert sich mit dem Hero-Archetyp? (Und warum sie mehr wollen als nur ein Produkt)
Der Hero-Archetyp spricht keine Massen an – sondern Menschen, die bereit sind, sich zu bewegen. Nicht die, die nur zuschauen wollen, sondern die, die mitmachen, mitkämpfen, mitgestalten. Hier sind die fünf Kernzielgruppen, die auf Hero-Brands anspringen – und was sie wirklich suchen:
1. Die Aktivist:innen & Changemaker (18–35, urban, progressiv)
Wer? Junge Erwachsene in transitional life stages (Studium, Berufseinstieg, Identitätssuche).
Was sie wollen: Sichtbare Wirkung – nicht nur Konsum, sondern Sinn und Teilhabe an einer Bewegung.
Trigger: „Dein Kauf ist ein Statement.“
Beispiel-Marken: Patagonia, Extinction Rebellion Merch, Fairphone („Technologie mit Respekt“).
Wichtig: Sie durchschauen Greenwashing in Sekunden – Hero-Brands müssen radikal transparent sein.
2. Die „Guilty Conscience“-Konsument:innen („Ich will besser sein – aber wie?“)
Wer? Menschen mit kognitiver Dissonanz („Ich weiß, dass Fast Fashion schlecht ist… aber es ist so billig!“).
Was sie wollen: Einfache Lösungen mit klarem Impact – „Mit diesem Kauf tust du Gutes, ohne dich zu überfordern.“
Trigger: „Kein Perfektionismus – jeder Schritt zählt.“
Beispiel-Marken: TOMS („One for One“), Ecosia („Such das Web – rette den Regenwald“).
Wichtig: Keine Schuldzuweisungen, sondern Empowerment („Du bist schon auf dem Weg“).
3. Die Social Entrepreneurs & Purpose-Driven Gründer:innen
Wer? Menschen, die selbst Unternehmen mit Mission gründen (oder daran arbeiten).
Was sie wollen: Tools, Netzwerke und Vorbilder, die zeigen: „Business kann die Welt verändern.“
Trigger: „Wir sind wie du – und zusammen sind wir stärker.“
Beispiel-Marken: B Corps (z. B. Patagonia, Ben & Jerry’s), Ashoka Fellows.
Wichtig: Sie suchen Gleichgesinnte, keine Heuchler – Authentizität ist alles.
4. Die „Quiet Heroes“ (Die Stillen, die Großes bewirken)
Wer? Menschen, die keine Bühne brauchen, aber täglich im Kleinen kämpfen (Lehrerende, Pflegekräfte, lokale Initiativen).
Was sie wollen: Anerkennung und Werkzeuge, um ihren Einfluss zu vergrößern.
Trigger: „Deine Arbeit verändert die Welt – wir machen sie sichtbar.“
Beispiel-Marken: Local Hero-Kampagnen (z. B. „Real Heroes Wear Masks“ während der Pandemie), Social Enterprises wie „Who Gives A Crap“ (Toilettenpapier für sanitäre Grundversorgung).
Wichtig: Kein Pathos, sondern praktische Unterstützung.
5. Die „Corporate Rebels“ (Die, die Systeme von innen ändern wollen)
Wer? Angestellte in Großunternehmen, die Purpose in ihrer Arbeit suchen.
Was sie wollen: Beweise, dass ihr Job Sinn macht – „Mein Arbeitgeber steht für etwas Größeres.“
Trigger: „Auch in der Corporate World kann man Held:in sein.“
Beispiel-Marken: Salesforce („Trailblazer“-Community), Unilever’s Sustainable Living Plan.
Wichtig: Sie brauchen konkrete Erfolge („Unser Projekt hat X Tonnen CO₂ eingespart“).
Wo der Hero-Archetyp NICHT funktioniert
Nicht jede Zielgruppe will gerettet werden. Der Hero passt nicht zu:
Reinen Preiskäufer:innen („Hauptsache billig“).
Zyniker:innen („Alles nur Marketing“ – die glauben erstmal nicht an ernstgemeinten Purpose).
Traditionalist:innen, die Stabilität und Kontinuität suchen (z. B. klassische Bankkund:innen). Branchen mit hohem Regelungs- und Compliance-Druck, in denen Risikovermeidung und Standardisierung Vorrang haben (z. B. Pharma-Procurement, öffentliche Verwaltung, klassische Infrastrukturprojekte).
„Real Heroes Wear Masks“
FAQ zum Brand Archetype „Hero“
„Ist der Hero-Archetyp nur für große, aktivistische Marken?“
Nein. Auch kleine Unternehmen, lokale Initiativen oder Nischenbrands können Hero-Energie nutzen – solange sie eine klare Mission haben.
Beispiel: Ein Bio-Bäckerei-Café, das mit jedem verkauften Brot Obdachlosen eine Mahlzeit spendet („Dein Frühstück rettet Leben“) – und gleichzeitig gesunde Ernährung für mehr Fitness positioniert.
Tipp: Fang klein an, aber sei konsequent. Ein Hero-Brand muss nicht die Welt retten – aber es muss etwas geben, wofür es steht.
„Wie vermeide ich Klischees? (Keine Capes, keine übertriebenen Versprechen!)“
Erzähl echte Geschichten – nicht von der Marke, sondern von den Menschen, die sie nutzen.
Beispiel: Lush zeigt Kund:innen, die mit ihren Kampagnen Tierversuche stoppen – nicht nur das Produkt.
Zeig die Kämpfe, nicht nur die Siege.
Beispiel: Patagonia sagt nicht „Wir sind perfekt“, sondern „Wir kämpfen – und du kannst mitmachen.“
Nutze Humor oder Selbstironie, um den Hero-Ansatz menschlich zu halten.
Beispiel: „Who Gives A Crap“ („Wir verkaufen Klopapier – und retten damit die Welt. Ja, wirklich.“).
„Passt der Hero auch zu B2B?“
Ja – aber anders.
Nicht: „Kauf unser Software und werde zum Helden!“
Sondern: „Unsere Tools helfen dir, deine Mission zu erfüllen.“
Beispiele:
Salesforce („Trailblazer“-Community für Innovator:innen).
SAP („Wir digitalisieren nicht nur Unternehmen – wir ermöglichen faire Lieferketten“). Wichtig: Im B2B-Kontext geht es um die Meisterschaft, die Systeme verändert, nicht um individuelle Heldentaten.
Und mehr Informationen über Brand Archetypes aus der WortWunderKammer findet Ihr hier:


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